Symrise Annual Report 2015 Symrise Annual Report 2015Symrise Annual Report 2015
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Rendez-
vous

Die Integration von Diana in den Symrise Konzern war kein Selbstläufer:
Zwei global tätige Unternehmen mit unterschiedlichen Technologien, Produkten und Kunden mussten zusammenfinden und gemeinsame Ziele, Abläufe und Strategien entwickeln. Ein Dinner-Gespräch über ein erfolgreiches Vorgehen.
Heinrich Schaper Präsident Geschäftsbereich Flavors
Dr. Jean-Yves Parisot Präsident Geschäftsbereich Diana
Ein schlicht, aber fein gedeckter Tisch in einem Restaurant in Holzminden. Der Kellner bringt eine Flasche Rotwein, öffnet sie, gießt einen Schluck in Heinrich Schapers Glas. Der Präsident des Geschäftsbereichs Flavors von Symrise schaut sich die dunkelrote Flüssigkeit an, riecht, probiert. Für gut befunden. Als das Glas von Dr. Jean-Yves Parisot – Präsident des Geschäftsbereichs Diana – ebenfalls gefüllt ist, schauen sich die beiden Manager an. „Zum Wohl“ und „à votre santé“ sagen sie auf Deutsch und Französisch – und dann geht es auf Englisch weiter.

Herr Schaper, Herr Parisot, wie war Ihr erster Eindruck von Ihren neuen Partnern?

Heinrich Schaper: Ich erinnere mich noch sehr gut an unser erstes Treffen. Diana war mit vielen Produkten und Prozessen sehr erfolgreich, deswegen haben wir das Unternehmen gerne gekauft. Und dementsprechend war unsere Unterhaltung von viel gegenseitigem Respekt geprägt. Mit Jean-Yves klickte es im Gespräch sofort. Wir hatten zwar manchmal unterschiedliche Meinungen, wussten aber immer, wie wir einen guten Konsens erreichen konnten.

Dr. Jean-Yves Parisot: Ich war sehr beeindruckt, wie gut die Annäherung funk­tionierte und welch großes Know-how die neuen Kollegen haben. Schon ganz am Anfang haben wir durch unsere gemeinsamen Werte einen guten Weg gefunden, miteinander zu sprechen – trotz der unterschiedlichen Kulturen, die es bei einer deutschen und einer französischen Organisation zweifelsohne gibt.

Dr. Jean-Yves Parisot

Das klingt sehr harmonisch. Dabei bereiten Akqui­sitionen von Firmen oft große Probleme. Was haben Sie besser gemacht?

HS: Wenn ein Unternehmen ein anderes übernimmt, passiert es oft, dass es der gekauften Firma die eigenen Prozesse überstülpt. Die Integration findet oft nach Standardprozeduren statt, was falsch ist. Wir haben uns bewusst gemacht, wer was einbringt und wie beide wechselseitig voneinander profitieren können.

JYP: So haben wir das auch empfunden: Es ging darum, dass wir einen Geist entwickeln, der nicht nur einen deutsch-französischen, sondern einen globalen Konzern hervorbringt, ohne die ursprünglichen Kulturen zu vernachlässigen.

Wie haben Sie herausgefunden, an welcher Stelle die Vorteile für das künftige gemeinsame Geschäft liegen?

JYP: Wir haben eine ganze Reihe von Synergie-Meetings abgehalten, bei denen wir uns zunächst auf Führungsebene das große Ganze angeschaut haben. Sehr zügig haben sich anschließend unsere Verkäufer, Entwickler, Ingenieure und Techniker zusammengesetzt. Daraus sind mittlerweile fast 50 Projekte entstanden und es werden immer mehr. Wir arbeiten auch bereits bei strategischen Projekten zusammen. Die Geschmacksnoten Huhn und Zwiebel beispielsweise haben noch enormes Potenzial.

Dr. Jean-Yves Parisot

HS: Damit das funktioniert, haben wir den Mitarbeitern gesagt, dass sie besser direkt miteinander sprechen, als immer erst das Führungsteam einzuschalten. Wir wollten das frische, innovative Momentum nutzen, das es in dieser Form fast nur am Anfang gibt. Außerdem haben wir versucht, die jeweiligen Ansprechpartner informell zusammenzubringen – beim Abendessen zum Beispiel, um eine gute Atmosphäre zu schaffen, die über die Arbeit hinausgeht.

Der erste Gang kommt, Leber mit Spätzle und Pfifferlingen. Sehr deutsch, wie Dr. Jean-Yves Parisot mit einem Lächeln anmerkt und betont: „Ich mag das gerne.“ Er nimmt sich eine Gabel, probiert, zeigt mit dem Finger auf den Teller: „Pilze, sie sind ein wunderbarer Rohstoff für uns.“ Heinrich Schaper nickt und sagt: „Erzähl mal, was wir vorhaben!“

JYP: Wir haben gerade Anfang 2016 eine Champignon-Produktion erworben und wollen die Pilze als strategischen Rohstoff in den kommenden Jahren aufbauen. So wie wir natürliche Farben mit Möhren oder süße und scharfe Geschmacksnoten mit Zwiebeln erzeugen, können wir mit den Pilzen den Umami-Geschmack darstellen. Mit dem richtigen wissenschaft­lichen Ansatz und der richtigen Anwendungstechnik kann dieser Geschmacksverstärker beispielsweise Mononatriumglutamat ersetzen. Das verschafft uns einen enormen Wettbewerbsvorteil bei den Kunden, die sich mit deklarationsfreien Produkten positionieren möchten.

HS: Dafür nutzen wir viele Synergien. Diana bringt die Rohstoffe, Symrise neue Technologien und damit ganz bestimmte Geschmacksnuancen, die vorher nicht erzeugt werden konnten. Im Beispiel trägt Frankreich mit den Pilzkonzentraten die Basisnoten für Suppen, Fertiggerichte oder Snacks bei, Holzminden die Topnoten. Durch diese in der Industrie einzigartigen Aromenprofile können wir uns von unseren Wettbewerbern abgrenzen.

» Wir haben uns bewusst gemacht, wer was einbringt und wie beide wechselseitig voneinander ­pro­fitieren können. «

Klappt das denn so einfach? Immerhin waren doch die Geschäftsmodelle bisher recht unterschiedlich...

HS: Das stimmt. Symrise kann den Ausstoß mengenmäßig recht einfach steigern. Diana dagegen muss eine sehr komplexe Wertschöpfungskette beherrschen, weil sämtliche Rohstoffe direkt aus der Natur kommen.

Heinrich Schaper

JYP: Außerdem kann der Geschäftsbereich Flavors von Symrise schneller auf die Wünsche der Kunden reagieren. Aus verschiedenen Rohstoffen eine Aromenkomposition zu schaffen, ist zwar eine Kunst für sich, aber mit dem großen Know-how immer möglich. Bei Diana müssen wir Produkte langfristiger aufbauen. Wir können zudem manche Materialien nicht zu jeder Jahreszeit an jedem Ort der Welt in jeder Menge vorhalten. Wir fokussieren uns momentan darauf, unsere Supply Chain zu optimieren und unsere Produktivität zu erhöhen.

Der Kellner trägt den Hauptgang auf, ein Schnitzel mit Gemüsebeilage, Broccoli, Möhren und Bohnen. Heinrich Schaper schaut auf seinen Teller, schneidet ein Stück Fleisch ab, dippt es in die Soße.

HS: Was wir hier essen, ist lecker, aber sehr nahrhaft, um es mal vorsichtig zu sagen. Ab und zu ist das in Ordnung, aber ich ernähre mich sonst gerne leichter. Auch mit Symrise wollen wir für gesünderes Essen sorgen. Wir fühlen uns der Charta der Vereinten Nationen verpflichtet, weltweit gegen Fettleibigkeit und Diabetes vorzugehen. Wir wollen dafür sorgen, dass die Lebensmittelhersteller mit Hilfe unserer Produkte mehr natürliche Zutaten und deutlich weniger Fett, Salz und Zucker einsetzen können als noch vor Jahren.

JYP: Wir sehen das genauso. Der Broccoli hier auf meiner Gabel ist Grundlage für einen Extrakt, der durch den Inhaltsstoff Glucoraphanin entgiftende Eigenschaften hat. Unser Brassicare TM Extrakt wurde dieses Jahr das erste Mal in China – einem stark wachsenden Markt im Bereich der Gesundheit – verkauft. Es dauerte fünf Jahre, um ein zuverlässig standardisiertes Produkt zu entwickeln und das entsprechende Gesundheitszertifikat zu erhalten. Ein großer Erfolg für unser Team. Wir arbeiten ebenfalls gemeinsam an Projekten für internationale Hersteller, die sich gerne im natürlichen und gesunden Bereich positionieren möchten. Dieser wachsende Trend hilft uns, unseren Kunden Alternativen für synthetische Stoffe anbieten zu können. So kann der Anteil von Salz und Zucker in Nahrungsmitteln und Getränken reduziert werden, ohne die sensorischen Aspekte des Produkts zu beeinflussen.

Die Manager sind satt, verzichten auf das Dessert. Die Teller werden abgetragen. Dr. Jean-Yves Parisot und Heinrich Schaper bestellen einen Kaffee, einen Espresso unisono.

Wieder herrscht Einigkeit. Gab es auch einmal größere Reibungen?

HS: Tiefgreifende Probleme haben wir nicht gehabt. Wir müssen vielleicht manchmal schneller sein, um unsere Inspirationen und Ideen besser in Produkte umzusetzen. Daran müssen wir arbeiten und an den richtigen Stellen die passenden Leute einsetzen.

JYP: Einiges davon können wir schon jetzt gut angehen. Wir haben noch immer riesige Potenziale durch unsere Zusammenarbeit und wollen unseren Informationsaustausch in den kommenden Monaten weiter intensivieren, sowohl im Bereich Food als auch bei Pet Food.

HS: Wir begegnen uns einfach auf Augenhöhe, mit vielen ähnlichen Fähigkeiten, Einstellungen und Meinungen – deswegen wird die Zusammenarbeit weiterhin ohne Reibungsverluste verlaufen und mit sehr vielen positiven Synergien weitergehen.